Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Aktualisierungen im Griechisch-Unterricht

7. Der Griechisch-Unterricht und aktuelle Bezüge

7.1 Einführung

Jeder, der sich mit antiken Texten beschäftigt, weiß, dass die in ihnen thematisierten Probleme uns – in modifizierter Gestalt – auch heute betreffen. Auch wenn natürlich diese Texte nicht für uns geschrieben sind, können wir doch erstaunlich oft in den antiken Diskussionen den Kern unseres Lebens erkennen. Die antike Literatur ist also nicht nur historisch, für sich selbst interessant, sondern auch dadurch, dass sie einen Vergleich zu unserem Leben gestattet.

Eben dies macht den didaktischen Wert der griechischen Literatur aus: Sie bietet ein Modell an, aus dem wir zwar keine mustergültigen Lösungen entwickeln können – aber sie zeigt in anderer Gestalt dasjenige, was uns auch heute beschäftigt. Aus diesen Texten ergibt sich ein Anstoß, genauer und deutlicher die eigene Welt mit ihren Problemen und offenen Fragen zu erfassen.

Um zwei Beispiele zu bringen: In der „Ilias“ geht es unter anderem darum, wie konfliktträchtig das Aufeinandertreffen von Einzel- und Allgemeininteresse ist – etwas, das jede menschliche Gruppe von Fußballmannschaften über Firmenbelegschaften bis hin zur Gesellschaft insgesamt prägt und gefährdet. Und auch im „Ödipus“ können wir uns wiedererkennen. In diesem Stück wird die Leistung der menschlichen Intelligenz deutlich, aber auch davor gewarnt, ihr grenzenlos und vorschnell zu vertrauen. – Aus der Fülle der möglichen Aspekte, ist hier eine Auswahl getroffen worden, und zwei Themen, die heute eine hohe Relevanz haben, stehen im Mittelpunkt. Die Zeit Platons ist gekennzeichnet von einem Medienumbruch. Das Medium Schrift hat eine hohe Bedeutung gewonnen und die von den Sophisten perfektionierte Rhetorik bestimmt die Öffentlichkeit. Mit diesen medialen Veränderungen hat sich Platon intensiv und kritisch beschäftigt – und seine Reflexionen können uns wichtige Hinweise geben für den angemessenen Umgang mit dem aktuellen Medienumbruch, der durch die elektronischen Medien verursacht ist. Der zweite Aspekt betrifft einen Bereich, in dem sich Fragen nach dem Wert des menschlichen Lebens und seiner Würde mit besonderer Dringlichkeit stellen, die Medizin. Auch hierzu finden sich griechische Texte, die eine Reflexion über diese Themen in Gang setzen können.

Die vorgeschlagenen Aufgaben setzen die sprachliche und inhaltliche Erarbeitung der Texte jeweils voraus. Daraus ergibt sich, dass ihr Niveau oft hoch ist und tiefere Analysen, Vergleiche, Bewertungen und Herstellung von Zusammenhängen erfordert. Manche Schwierigkeit lässt sich durch Vorübungen, wie sie im Kapitel 2.2 „Kreative Textproduktionen zu den Lektionen 15-17 Kairos“ vorgeschlagen sind, entschärfen.

 


Aktualisierungen im Griechisch-Unterricht: Herunterladen [doc][403 KB]

 

weiter mit Das Beispiel „Rhetorik und Rhetorikkritik“