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Reden im Krieg: Die Pathologie des Krieges bei Thukydides

Sachanalyse

In der so genannten Pathologie des Krieges beschreibt Thukydides den Zerfall der Gemeinschaft, der durch das Erlebnis des Krieges - Thukydides nennt ihn einen βίαιος διδάσκαλος - eintritt. Die Sprache und die Kommunikation haben hierbei großen Einfluss: An ihr wird zum einen deutlich, dass die Solidarität und die Verlässlichkeit in der menschlichen Gemeinschaft verloren gehen. Sie verschärft jedoch auch den Zerfallsprozess. In den kommunikativen Verhaltensweisen zeigen sich unverkennbar die Auswirkungen der Sophistik. Die gewohnten Bezeichnungen für moralische und ethische Inhalte lösen sich auf. Mit der Benennung werden die Inhalte umdefiniert, so dass das Verhalten nicht mehr an die bisher geltenden Normen gebunden ist. Indem etwa Besonnenheit nun als Vorwand für Ängstlichkeit gilt, existiert keine Richtschnur des Handelns mehr.

Das intellektuelle Vermögen, das ja erst derartige Begriffsumdeutungen vornehmen kann, wird nun mehr geschätzt als moralische Integrität. Die egoistischen Ziele, die Macht zu erweitern, werden mit schönklingenden Begriffen verhüllt. Es findet eine Sprachlenkung statt, die über die wahren Ziele hinwegtäuschen soll. Sprache wird zum Werkzeug, nicht mehr der Verständigung und der Aufdeckung der Realität, sondern der Verhüllung und der Täuschung. Sie stellt keine Gemeinsamkeit her, sondern dient dem individuellen Machterwerb. Die Sprache verbindet die Menschen nicht zu einer Einheit, sondern sie ist Mittel der Auflösung geworden, indem sie nicht mehr der Allgemeinheit dient, sondern nur den unmoralischen Einzelinteressen.

 


Unterrichtsmodelle zur Förderungen der personalen Kompetenzen bei der Interpretationsarbeit: Herunterladen [doc][623 KB]

 

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