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Schwierigkeiten, Alternativen, Chancen


Ein unter „Ablauf“ angesprochenes Problem ist, dass die S durch die Rollenkarten Vorinformationen erhalten, die erst im Laufe der Lektüre der „Apologie“ thematisiert werden. Um diese Schwierigkeit zu umgehen, wäre alternativ denkbar, die Rollenkarten als Leerformulare zu vergeben, auf denen zunächst nur Name, Attribute und evtl. Beruf angegeben sind, so dass die S erst nach und nach ihre Rolle komplettieren. Die Karten könnten dann auch der Ergebnissicherung dienen und beispielsweise das konventionelle Tafelbild ersetzen. – Allerdings entstünde damit das neue Problem, dass erst nach längerer Lektürephase erste Spielszenen möglich würden – der Reiz des unbefangenen spontanen Spiels von Anbeginn entfiele.

Ein möglicher Einwand gegen das hier vorgestellte Rollenspiel ist die Zeitknappheit im Vorlauf des Graecums: Da die vorgeschlagenen Spielszenen teilweise sehr kurz sind und ohne aufwändige Vorbereitung durch die S umgesetzt werden sollen, hält sich der Zeitaufwand in Grenzen. Zudem lässt sich die Interpretation, wie sie im Unterrichtsgespräch oder weniger lehrerzentrierten Formen stattfindet, zu einem großen Teil in das Rollenspiel verlagern, welches hier seinen hermeneutischen Mehrwert entfaltet. Die Erprobung im Unterricht zeigt, dass darüber hinaus durch den handlungsorientierten Ansatz eine große Nachhaltigkeit im Lernen erreicht werden kann. So war die Wirkung des Sokrates auf junge ‚Revoluzzer‘ wie die rebellischen „Kakodaimonistai“ für viele S so eindrücklich, dass sie in der mündlichen Graecumsprüfung sehr genau beschreiben konnten, worin der „verderbliche“ Einfluss des Philosophen auf die Jugend historisch bestanden haben könnte.

Besonders ergiebig und reizvoll für die Interpretation sind – auch nach Aussage der S – unerwartete Konstellationen und Interaktionen, denen die Lehrperson genügend Raum geben sollte: So empfahlen beispielsweise ‚Gorgias‘ und ‚Protagoras‘ dem jungen ‚Meletos‘ in einer ‚Agora‘-Situation nach dem Prozess sogleich eine Karrierre als Politiker – selbstverständlich nicht, ohne dass dieser vorher eine Ausbildung bei einem Sophisten genossen habe.

Sicher die größte Schwierigkeit für S besteht – zumal in der Unsicherheit der Pubertät – darin, tatsächlich in eine Rolle zu schlüpfen und diese auch durchzuhalten. Diesem Problem, in dem zugleich die spezifische Chance des hier vorgeschlagenen Unterrichtskonzeptes für die personale Entwicklung der einzelnen S liegt, sollte man durch kleine Vorübungen aus dem Fundus der Theaterpädagogik begegnen. 1 Der Einsatz von einfachen Attributen und die klare Rollenzeichnung erleichtern das Hineinfinden in eine Rolle und deren Durchhalten; so fiel es in der Erprobung dem hinkenden Leandros (Rollenkarte 8) oder dem alkohol- und spielsüchtigen Anaitios (Rollenkarte 9) besonders leicht, ins Spiel einzutauchen.

Alternativ ist es natürlich auch vorstellbar, einzelne Spielanlässe in Schreibaufträge umzuwandeln, um so die Hemmschwelle zur Präsentation eigener Ideen zu senken.

Das reichhaltige Rollenrepertoire erlaubt eventuell auch eine Verwendung für andere platonische Dialoge, doch hier liegen noch keine praktischen Erfahrungen vor.

 


1   Zur Einführung sehr zu empfehlen sind Johnstone 2006 und Ders./Tabori/Schreyer 2010 mit vielen instruktiven Übungen; vgl. auch „Übungen“ unter „Personale und soziale Kompetenzen auf Studienfahrten“.

 

Einführung und Literatur: Herunterladen [doc][70 KB]

Einführung und Literatur: Herunterladen [pdf][275 KB]

 

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