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„Das Wort und nicht die Tat regiert die Welt“ - Die Gestalt des Odysseus im „Philoktet“ des Sophokles


Der „Philoktet“ beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen Einzelnem und Gemeinschaft in besonderer Weise. Die Griechen haben Philoktet auf einer menschenleeren Insel zurückgelassen, nachdem er für die anderen wegen einer unheilbaren Wunde und wegen seines daraus resultierenden Leides untragbar geworden war. Doch um Troja erobern zu können, sind sie auf sein Mitwirken angewiesen. Da Philoktet freiwillig nicht mehr dazu bereit ist, versucht Odysseus mit Neoptolemos, ihn durch eine List zu gewinnen. Mittel der List ist hierbei vor allem die Sprache, die Odysseus so einsetzt, dass sie seinen Interessen dient. Wie die Sprache in dieser List nicht an eine Wahrheit gebunden ist, sondern frei und flexibel gestaltbar wird, so haben auch die Werte für Odysseus keinen fest definierten Gehalt mehr, sondern werden von ihm ebenfalls nach seinen Zwecken instrumentalisiert. Sind diese Züge per se problematisch, muss man andererseits feststellen, dass Odysseus nicht im Eigeninteresse handelt, sondern dasjenige umsetzt, was im Interesse der Griechen insgesamt liegt. Das Vorgehen des Odysseus ist also erfolgreich, jedoch um den Preis, dass Werte fragil werden. Odysseus gestaltet die Welt, indem er die Mittel den Zwecken unterordnet. Für ihn hat dabei nichts mehr einen unumstößlichen und absoluten Wert, sondern alles ist nach den Erfordernissen des Augenblicks gestaltbar. Er schlägt deshalb Neoptolemos vor, heute mit List und Lüge den Erfolg zu sichern, um in Zukunft wieder gerecht (82) und der Frömmste (85) zu sein. Neoptolemos dagegen lässt starke Vorbehalte gegen eine Aushöhlung traditioneller Werte erkennen, ist aber andererseits durch die Aussicht auf persönlichen Ruhm korrumpierbar.

 


Unterrichtsmodelle zur Förderungen der personalen Kompetenzen bei der Interpretationsarbeit: Herunterladen [doc][623 KB]

 

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