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Überleitung zur „Politeia“ und zur Ideenlehre


In Platons letztem Werk, den „Nomoi“, wird ein Mythos von einem goldenen Zeitalter erzählt. Dieses Zeitalter sei durch die Abwesenheit von Armut, aber auch von Reichtum charakterisiert. Deshalb sei das Leben der Menschen damals sehr glücklich gewesen.

Nomoi, 679b-e

 

οὔτε γὰρ ὕβρις οὔτ' ἀδικία, ζῆλοί τε αὖ καὶ φθόνοι οὐκ ἐγγίγνονται. Ἀγαθοὶ μὲν δὴ διὰ ταῦτά τε ἦσαν καὶ διὰ τὴν λεγομένην εὐήθειαν· ἃ γὰρ ἤκουον καλὰ καὶ αἰσχρά, εὐήθεις ὄντες ἡγοῦντο ἀληθέστατα λέγεσθαι καὶ ἐπείθοντο. Ψεῦδος γὰρ ὑπονοεῖν οὐδεὶς ἠπίστατο διὰ σοφίαν, ὥσπερ τὰ νῦν, ἀλλὰ περὶ θεῶν τε καὶ ἀνθρώπων τὰ λεγόμενα ἀληθῆ νομίζοντες ἔζων κατὰ ταῦτα· διόπερ ἦσαν τοιοῦτοι παντάπασιν οἵους αὐτοὺς ἡμεῖς ἄρτι διεληλύθαμεν.  […]Οὐκοῦν εἴπωμεν ὅτι γενεαὶ διαβιοῦσαι πολλαὶ τοῦτον τὸν τρόπον […] τῶν νῦν ἀτεχνότεροι μὲν καὶ ἀμαθέστεροι πρός τε τὰς ἄλλας μέλλουσιν εἶναι τέχνας καὶ πρὸς τὰς πολεμικάς, ὅσαι τε πεζαὶ καὶ ὅσαι κατὰ θάλατταν γίγνονται τὰ νῦν, καὶ ὅσαι δὴ κατὰ πόλιν μόνον αὐτοῦ, δίκαι καὶ στάσεις λεγόμεναι, λόγοις ἔργοις τε μεμηχανημέναι πάσας μηχανὰς εἰς τὸ κακουργεῖν τε ἀλλήλους καὶ ἀδικεῖν, εὐηθέστεροι δὲ καὶ ἀνδρειότεροι καὶ ἅμα σωφρονέστεροι καὶ σύμπαντα δικαιότεροι; τὸ δὲ τούτων αἴτιον ἤδη διεληλύθαμεν.

Denn dort können weder Übermut noch Ungerechtigkeit noch auch Neid und Missgunst entstehen. So waren sie denn teils aus diesem Grunde tugendhaft, teils durch das, was man Sitteneinfalt nennt. Denn was sie als löblich und tadelnswert bezeichnen hörten, das hielten sie in ihrer Einfalt auch mit vollkommener Zuversicht dafür und handelten danach und aus solcher Art Weisheit, wie man sie heutzutage findet, eine Lüge dahinter zu suchen, daran dachte niemand, sondern was man ihnen über Götter und Menschen sagte, das hielten sie für wahr und richteten ihr Leben danach ein. Und so waren sie denn ganz und gar so geartet, wie wir sie eben beschrieben haben. […]

Müssen wir also nicht annehmen, dass diese Leute viele Menschenalter auf solche Weise zwar minder geschickt und erfahren als die jetzt Gebornen, in allen anderen und namentlich in den Kriegskünsten, wie man sich ihrer jetzt zu Lande und zur See bedient oder auch im Innern des Staates selber übt, nämlich bei dem, was man Rechtshändel und Aufruhr heißt und wobei man alle möglichen Kunstgriffe anwendet, um einander zu schädigen und Unrecht zu tun, durchlebt haben werden, aber dafür einfältiger und tapferer und zugleich besonnener und in allen Stücken gerechter waren? Die Ursache davon haben wir bereits dargelegt.

(Übersetzung: Franz Susemihl)

 

Aufgaben:

1. Der Text stellt die Menschen aus Platons Zeit und die Angehörigen des goldenen Zeitalters gegenüber. Arbeiten Sie aus dem griechischen Text die Unterschiede zwischen beiden Gruppen heraus! Achten Sie dabei vor allem auf Ausdrücke, die das intellektuelle Vermögen betreffen!

1.1 Warum gibt es im goldenen Zeitalter keine Rhetorik und was sagt dieses über die Rhetorikauffassung Platons aus?

2. Die zeitgenössischen Menschen sind offenbar von den Sophisten beeinflusst. Zeigen Sie dies mit griechischen Belegen!

3. Was könnte ein Sophist dieser Darstellung der goldenen Zeit entgegnen?

4. Würden Sie gerne in der dargestellten goldenen Zeit leben? Erwägen Sie das Für und Wider und begründen Sie Ihre eigene Ansicht!

5. Schreiben Sie eine Verteidigung der von Platon kritisierten Gegenwart!

 


Lernstandsdiagnosen und Binnendifferenzierung in der Kursstufen-Lektüre:
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