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Kompetenzorientierte Leistungsmessung

Allgemeine Probleme einer kompetenzorientierten Leistungsmessung

Wie können Kompetenzen überhaupt gemessen werden? Wenn man eine Kompetenz – gemäß den dargestellten Definitionen – als ein komplexes Zusammenwirken von Wissen, Können und Einstellungen sieht, ergibt sich die Frage, ob sie überhaupt vollkommen gemessen werden kann. Daher betont die Literatur die Unterscheidung zwischen Kompetenz und ihrer Performanz. [156] Ob die Schülerinnen und Schüler eine bestimmte Kompetenz erworben haben, ist nur erkennbar, wenn sie diese Kompetenz auch anwenden, also in der Performanz. Streng genommen kann man also keine Kompetenzen, sondern nur deren Performanz messen. [157]
Wenn man aber nun die Performanz der komplexen Kompetenzen in gängigen Formen der Leistungsmessung wie Klassenarbeiten oder GFS misst, kann die dahinter stehende Kompetenz nur ansatzweise erfasst werden.
Gleichzeitig sind die rechtlichen Rahmenvorgaben für die Leistungsmessung in diesem Zusammenhang recht „konservativ“, d.h. Klassenarbeiten und (nur in einzelnen Fächern angefertigte) GFS bilden immer noch die Grundlage der Leistungsbewertung, andere – kompetenzorientierte – Formate können hinzukommen, erhalten aber in der Regel nicht das gleiche Gewicht für die Ermittlung der Zeugnisnote. [158] Auch die Aufgaben in zentralen Abschlussprüfungen prüfen primär die fachliche, in einzelnen Bereichen die methodische Kompetenz, die anderen Kompetenzbereiche werden lediglich in der Präsentationsprüfung berücksichtig.

Ein zweites Problemfeld ergibt sich aus den Dimensionen der religiösen Kompetenz. Gerade hier scheint Leistungsmessung besonders problematisch, denn Dimensionen wie die Fähigkeit zur Partizipation (Comenius) oder die Gestaltungsfähigkeit (EPA) [159] lassen sich nur in Ausnahmefällen messen. Auch die Dialogfähigkeit (EPA) bzw. die Fähigkeit zur Interaktion (Comenius) [160] können im schulischen Kontext nahezu nur in künstlichen „Laborsituationen“ wie Rollenspielen o.ä. überprüft werden, so dass der Aspekt der authentischen Kommunikation wegfallen muss. Das „Handeln aus religiöser Motivation“ wie es die Kirchlichen Richtlinien zu den Bildungsstandards vorsehen [161] , verweist ebenfalls auf die lebensweltliche Anwendung (auch) außerhalb der Schule und entzieht sich damit auch der Überprüfung in authentischen Situationen.
Es lässt sich somit erkennen, dass die Leistungsmessung in einem kompetenzorientierten Religionsunterricht nicht unproblematisch ist. Welche Zugänge bieten sich aber nun an? Welche Anforderungen kann man an eine Leistungsmessung im kompetenzorientierten Religionsunterricht stellen?


[156] Vgl. Schmidt: Kompetent in Religion? -was heißt das?/wer ist das?, S. 5.
[157] Vgl. Dressler, Performanz und Kompetenz, S. 27.
[158] Vgl. Bohl, Prüfen und Bewerten im offenen Unterricht, S. 44.
[159] EPA katholische Religionslehre, S. 7-8.
[160] Vgl. Fischer, Elsenbast: Grundlegende Kompetenz religiöser Bildung
[161] Vgl. Sajak, in: Michalke-Leicht, Kompetenzorientiert unterrichten, S. 43.

 

Was ist kompetenzorientierter Religionsunterricht?: Herunterladen [pdf] [650 KB]