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Biographischer Text

M9.2 Wege zu Gott – der Koran, das Gebet, das Fasten

Für mich als Muslimin ist der Koran das direkt überlieferte Wort Gottes. Daran glaube ich, ohne es beweisen zu können. Aber das muss ich auch nicht. […] Es gibt Verse im Koran, die mich sehr berühren und ein warmes, von Liebe erfülltes Gefühl hervorrufen. Es ist dieses Gefühl, das bei dem Suchenden die Gänsehaut bewirkt, wenn er einen Funken von göttlicher Nähe spürt. […]

Dass ich Gott nahe bin, erfahre ich besonders intensiv während des Gebets oder während des Fastenmonats Ramadan. Ich gebe zu, dass es auch mir gelegentlich passiert, dass ich „mal schnell“ bete oder dass ich für das Fastenbrechen so viel gekocht habe, dass eine ganze Fußballmannschaft davon satt werden würde. Aber ich gebe mir Mühe, alles, was ich aus religiösen Gründen tue, bewusst zu tun und mich dabei auf meinen Körper und meine Seele zu konzentrieren. Ich bete, weil ich es als eine Art Meditation, weniger als Pflicht betrachte und weil ich mich dabei Gott nahe fühlen kann. Ich faste, weil ich bewusst nicht nur auf Lebensmittel und Flüssigkeit verzichten will, sondern auch auf schlechte Umgangsformen. Mir geht es darum, mich an solchen Tagen in Bescheidenheit und Disziplin zu üben. (Während ich das schreibe, sehe ich das Lächeln meiner Mutter vor mir, die es doch schon immer gewusst hat.) Gebet und Fasten helfen mir, mich wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Religiöse Pflichten haben hier ihren Sinn. Man darf sie nicht dogmatisch und ohne jedes Gefühl angehen.

(Aus: Lamya Kaddor, Muslimisch - weiblich -deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam,
München, © Verlag C.H. Beck, 2010, S. 36f. und 40.)

 

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