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Erstes Testament

Bildervorschlag

Marc Chagall, Mose vor dem brennenden Dornbusch                   

Sieger Köder, Der brennende Dornbusch


Text 1: Ex 3,1-15 – Die Berufung des Mose

1 Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.15 Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich nennen in allen Generationen.


Text 2: Ex 33,18.20-23 – Sein Antlitz kann man nicht sehen

18 Dann sagte Mose: Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen! 19 Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will. 20 Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben. 21 Dann sprach der Herr: Hier, diese Stelle d! Stell dich an diesen Felsen! 22 Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin. 23 Dann ziehe ich meine Hand zurück, und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.

Aufgaben

  • Deutet – zunächst ohne Hilfestellung – mit der euch vertrauten Methode die Bilder von Chagall und Köder.
    Konfrontiert dann eure Deutung mit Interpretationen von Fachleuten.
  • Lest den dazugehörigen biblischen Text (Ex 3,1-15) und vergleicht die Bilder mit dem Text. Wo gibt es Übereinstimmungen? Wo erkennt man eigene Akzente?
    Bezieht euer Wissen aus früheren Jahrgangsstufen mit ein.
  • Prüft, ob der zweite Bibeltext (Ex 33) die Kernaussage des ersten (Ex 3) bestätigt und formuliert nun ein erstes Ergebnis zum Gottesbild in Ex 3 und Ex 33.
  • Erarbeitet – mit Hilfe der methodischen Anleitung durch den Religionslehrer / die Religionslehrerin – anhand von fachwissenschaftlichen Texten eine fundierte Auslegung der Bibelstellen und stellt sie eurer Kernaussage gegenüber (Bezug zur LPE „Bibel verstehen“)
  • Vergleicht eure Ergebnisse mit den ersten Fassungen der Gottesdiensttexte (siehe Anforderungssituation). Überprüft und erweitert evtl. euren Kriterienkatalog : Wie kann ein Christ verantwortlich und angemessen von Gott reden?

Zum Verständnis der Bibelstelle Ex 3,1-15

Mitten in seiner Tätigkeit des Schafehütens wird Mose mit einem seltsamen Ereignis konfrontiert. Die Bibel nennt es eine „außergewöhnliche Erscheinung“ (V.3), jenseits aller normalen Alltagserfahrung: Aus einem Dornbusch schlagen Flammen, ohne dass dieser verbrennt. Die naturwissenschaftlichen Gesetze scheinen aufgehoben, die Zeit scheint still zu stehen. Die Bibel erzählt, dass hier eine Offenbarung Gottes stattfindet - so wird Mose von Gott angesprochen -, doch sie hält fest: Gott lässt sich nicht sehen, seine Anwesenheit wird nur im Wort deutlich und dadurch, dass das Geschehen sich auf „heiligem Boden“ ereignet. Gott stellt sich dem Mose vor als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, also als Gott seines Volkes Israel. Gleichzeitig deutet er an, dass er in der Geschichte seines Volkes und in den Lebensgeschichten der Menschen präsent ist.

Auch wenn er sich nicht zeigt, lässt er sich ansprechen und spricht selbst an. Er erscheint als eine ansprechbare Person, nicht als anonymes Schicksal. So will er auch für die versklavten Israeliten eintreten und fordert Mose auf, sein Volk aus der Unterdrückung in Ägypten herauszuführen.

Mose reagiert nun, wie wir es alle tun würden: Er will größere Gewissheit über den „Auftraggeber“ haben, er will seinen Namen erfahren. Der Name ist das, was eine Person, ein Wesen identifiziert. Doch Gott antwortet nicht so, wie es Mose wünscht. Er offenbart ein Wort, das weniger Name ist als Hinweis auf das Wesen und den Willen Gottes. Das Tetragramm JHWH verweist auf die ständige Gegenwart Gottes: Ich bin der „Ich-bin-da“ (V.14). Mehr müssen die Menschen nicht wissen, sie müssen Gott nicht begrifflich fassen können, sie sollen aber darauf vertrauen, dass Gott sie in ihrem Leben begleitet und trägt.

Der Gottesname „Jahwe“ schließt also beides ein: die Nähe und Präsenz Gottes und seine Verborgenheit und Unbegreiflichkeit.

 

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