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Das Kompetenzmodell und die Unterrichtssequenz


„Es ist dir gesagt, was gut ist!“

Mit biblischen Wegweisern verantwortlich handeln.
Eine kompetenzorientierte Unterrichtssequenz für den Standardzeitraum 5/6
(Dimension 2 „Welt und Verantwortung“)

 

Im Folgenden werden die Kriterien kompetenzorientierten Unterrichtens (fett gedruckt), wie sie von der ZPG-Arbeitsgruppe erarbeitet worden sind, exemplarisch auf die Unterrichtssequenz angewendet. Hierdurch kann deutlich werden, inwiefern die Konzeption spezifische Charakteristika kompetenzorientierten Unterrichtens zu realisieren sucht.

Kompetenzen sind:

  • Wissen und Fähigkeiten

    Der Kompetenzstandard, der der Sequenz zugrunde liegt, zielt auf die Verbindung eines konkreten Wissenserwerbs (Goldene Regel, 10 Gebote, Gebot der Nächsten- und Feindesliebe) mit der Fähigkeit, dieses Wissen in ethisch bedeutsamen Situationen anzuwenden. Die Lernstandsdiagnose am Ausgangspunkt findet indirekt durch die erste Falldiskussion statt, die mit einer Reflexion darüber verknüpft wird, inwiefern ethische „Wegweiser“ der Bibel darin eine Rolle gespielt haben.
    Die einzelnen Lernstationen bieten in unterschiedlichen Formen Lernanlässe an, sich die Traditionselemente anzueignen, mit ihnen gedanklich oder gesprächsweise umzugehen und sie auf konkrete Lebenssituationen zu beziehen.
    Die zweite Runde der Falldiskussion unterstreicht die Verbindung von Wissen und Fähigkeiten, indem einzelne Beobachter die argumentative Anwendung des Gelernten innerhalb einer neuen ethischen Falldiskussion beobachten und der Schülergruppe widerspiegeln.

  • Einstellungen, Haltungen, Bereitschaften

    Indem die Sequenz die biblischen Traditionselemente in den Rahmen zweier Falldiskussionen einbettet macht sie deutlich, dass es ihr vorrangig um Einstellungen und Haltungen geht, aus der heraus die SuS als autonome Subjekte ihre moralischen Urteile fällen. In den einzelnen Stationen werden die SuS daher wiederholt an die fundamentale Tatsache erinnert, dass biblische Normen keinen Selbstzweck beanspruchen, sondern dazu dienen wollen, dass das (Zusammen-) Leben gelingen soll. Die Bereitschaft, sich auf diese Normen verpflichten zu lassen, wächst mit der Erfahrung, dass die Traditionselemente ihre Funktion tatsächlich erfüllen. Sowohl die Falldiskussionen als auch einzelne Aufgabenstellungen in den Stationen fordern daher zu einer gedanklichen Auseinandersetzung mit diesen Normen in konkreten Lebenskontexten auf.

  • komplex und Ergebnis eines längerfristigen Prozesses

    Die einzelnen Lernimpulse knüpfen bewusst an frühere Erfahrungen und bereits erworbenes Weltwissen an (z. B. Station 4). Problematisierende Impulse helfen, die Unabschließbarkeit der Auseinandersetzung mit ethischen Orientierungsmustern bewusst zu machen. Dilemma- und Falldiskussionen werden in allen weiteren Jahrgangsstufen eine Rolle spielen. Der Bildungsplan 2004 macht eine Fortführung der Beschäftigung mit Orientierungshilfen aus der Bibel verbindlich, indem für den Zeitraum 7/8 auf die prophetische Tradition verwiesen wird. Für den Zeitraum 9/10 wiederholt er die Standardformulierung nahezu identisch und vervollständigt sie um das Handeln Jesu und Weisungen aus der Bergpredigt. Insofern legt sich der Gedanke nahe, dass der Erwerb von biblischem Traditionswissen in Verbindung mit seiner Erprobung in Dilemma- und Falldiskussionen zu einem wiederkehrenden didaktischen Motiv oder sogar Lernstrang ausgebaut werden könnte.

  • fachspezifisch und/oder fächerübergreifend

    Die fachspezifische Ausrichtung des bedienten Kompetenzstandards liegt auf der Hand.  Dass ethische Handlungskompetenz nicht allein aus religiösen Ressourcen erwächst ist ebenso unstrittig. Insofern bietet die Erprobung der religiösen Traditionen auf dem „Parkett“ konkreter alltäglicher Lebenssituationen einen offenen Rahmen dafür, hilfreiche Kompetenzen aller anderen Domänen mit einzubringen.


Ein Unterricht, der auf den Erwerb von Kompetenzen zielt

  • wird von seinem langfristigen Ziel her konzipiert und gestaltet

    Die Unterrichtssequenz ist durchgehend so konzipiert, dass sie kompetenzfördernde Lernprozesse anregt. Sie verschiebt die Erprobung der Tragfähigkeit biblischen Orientierungswissens nicht auf später, sondern lässt sie bereits innerhalb einer Lernstation oder der Falldiskussion 2 erproben. Reflexionsfragen, Rückverweise und Selbstüberprüfungselemente in den Lernstationen sollen eine zirkuläre Auseinandersetzung mit den Inhalten anregen. Nachhaltiges Lernen ist wiederholendes und sich spiralförmig erweiterndes und vertiefendes Lernen. Was im Mikrokosmos der 10stündigen Sequenz trainiert wird, erfährt idealer Weise auch in weiteren Jahrgangsstufen Vertiefung und Erweiterung (s.o.).
  • orientiert sich an der Schülerin / am Schüler

    • bezieht sich, wenn immer möglich, auf die Lebenswelt der Schülerin/des Schülers

      Die Unterrichtssequenz rückt ausnahmslos erzählte Lebenswirklichkeiten in den Blick, die einem Schüler oder einer Schülerin der Unterstufe vertraut sind. Die Anknüpfungspunkte an das eigene Erleben dürften somit leicht gegeben sein. In Vorbereitung auf die zweite Falldiskussion können die SuS eigene Dilemma- oder Problemsituationen beschreiben und zum Gegenstand des moralischen Nachdenkens machen. Damit kann die Gefahr gegeben sein, dass es manchen SuSn schwer fällt, eine für eine Falldiskussion notwendige objektivierende Distanz zu finden. Gleichzeitig fördert dieses Vorgehen aber das Bewusstsein von Relevanz und Ernstgenommensein im Lernprozess.
    • nimmt die Schülerin / den Schüler als Subjekt des Lernprozesses ernst und unterstützt das eigenverantwortliche Lernen

      Schüleraktivierende Arbeitsformen und -aufträge bilden die Grundlage der gesamten didaktischen Konzeption. Die erste Falldiskussion soll die Einsicht in die Notwendigkeit von „Orientierungswissen“ in den SuSn wecken. In die Lernstationen bahnen sie sich in eigener Verantwortung einen Weg durch die angebotenen Lerninhalte. In Arbeitsaufträgen werden sie angeregt, ihren eigenen Kompetenzzuwachs selbst zu überprüfen oder (in Partnerarbeit) Verantwortung für andere zu übernehmen und deren Lernfortschritte widerzuspiegeln.

      Die „Checkliste“ in Station 11 schafft Transparenz über den eigenen Lernfortschritt und lädt dazu ein, sich wiederholend mit der einen oder anderen Lernstation zu befassen. Die zweite Falldiskussion fordert alle SuS noch einmal dazu heraus, sich zu einem ethischen Problem selbst zu positionieren und die

      eigene Auffassung argumentativ zu vertreten. Gleichzeitig findet durch die Beobachter ein Feedback über die neu angewendeten Kompetenzen statt.
      Idealerweise könnte die Lerngruppe nach dieser Phase selbst entscheiden, welche vertiefenden oder wiederholenden Elemente sie als sinnvoll oder notwendig erachtet.
  • ermöglicht der Schülerin/dem Schüler den eigenen Kompetenzzuwachs zu erkennen

    Rückverweise auf ihren eigenen Kompetenzzuwachs finden die SuS in Arbeitsaufträgen innerhalb der einzelnen Lernstationen, in der Checkliste in Station 11 und in der vergleichenden Reflexion über die beiden Falldiskussionen.
  • fördert Nachhaltigkeit durch Vernetzung und eine Wiederholungskultur (siehe oben)
  • überprüft den Zuwachs an Kompetenzen (siehe oben)

    Eine indirekte evaluative Lernstandsdiagnose bietet die zweite Falldiskussion, in deren Anschluss die Anwendung des Lernwissens kritisch gewürdigt wird. Denkbar wäre darüber hinaus eine standardisierte Abfrage über die in den Lernstationen angeeigneten Inhalte.

 

Das Kompetenzmodell und die Unterrichtssequenz:
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