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Kompetenzstufen

Eine offene Frage des kompetenzorientierten Unterrichts sind die Kompetenzstufen. Die Klieme- Expertise unterscheidet zwischen „Mindeststandards“, die ein verbindliches Minimalniveau festlegen, das alle Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Altersstufe erreichen, „Regelstandards“, die durchschnittliche Schülerinnen und Schüler erreichen und Maximalstandards, die ein Ideal darstellen. [108]
Die Klieme-Expertise plädiert zunächst dafür, Mindeststandards zu definieren, die beschreiben, „über welche Kompetenzen ein Schüler, eine Schülerin verfügen muss, wenn wichtige Ziele der Schule als erreicht gelten sollen“ [109] , damit im Bildungssystem gerade die schwächeren Schülerinnen und Schüler im Fokus der Lehr- und Lernprozesse stehen. Bei „Regelstandards“ bestünde die Gefahr – so die Klieme-Expertise –, dass in Kauf genommen wird, dass es auch Schülerinnen und Schüler gibt, die die Standards nicht erreichen und damit zu Verlierern und Schulversagern würden. [110]
Die Standards der KMK sind jedoch „Regelstandards“, die ein mittleres Niveau beschreiben. Somit ergibt sich für die Schulen bei der Umsetzung der Bildungsstandards ein gewisser Spielraum, und die dort gewonnenen Erfahrungen können zu einem späteren Zeitpunkt in die Formulierung von Mindeststandards einfließen. [111]

Bei der Erstellung des Bildungsplans 2004 hat man diese Diskussion nicht im Blick gehabt sondern sich dafür entschieden, zu den einzelnen Standards so genannte „Niveaukonkretisierungen“ zu formulieren. Sie gehen von drei Niveaustufen (A, B,C) aus, die jeweils zeigen, in welcher Komplexität die Bildungsstandards von den Schülerinnen und Schülern erreicht werden können. Sie gelten jedoch bereits als erfüllt, wenn die Niveaustufe A erreicht ist. [112]

In der (religions)pädagogischen Diskussion finden sich derzeit vor allem zwei interessante Beispiele für Kompetenzstufen.
Schambeck zeigt auf, wie sich die von ihr formulierten Dimensionen religiöser Kompetenz (Ästhetische Kompetenz, hermeneutisch-reflexive und hermeneutische-kommunikative Kompetenz und die praktische Kompetenz – s.o. S.6) in verschiedene Niveaustufen untergliedern lassen. Im Bereich der praktischen Kompetenz entwickelt sie beispielsweise eine Stufung von der „Befragung“ von Religion im Hinblick auf die eigene Lebensdeutung über die Beurteilung bis hin zum begründeten Vollzug. Sie weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die dritte Niveaustufe, die „In- Gebrauchname“ von Religion nur schwerlich im Religionsunterricht im staatlichen Schulwesen geschehen kann, da sie ja im Bereich der persönlichen Religionsfreiheit jedes einzelnen liegt. [113] Ein nicht auf den Religionsunterricht bezogenes Beispiel ist der Europäische Referenzrahmen, der umfassende Definitionen von Kompetenzniveaus im Verlauf eines längeren Lernprozesses über mehrere Jahre aufweist. Diese Definitionen können ein wichtiger Impuls für das Formulieren von entsprechenden Kompetenzniveaus in anderen Fächern, eventuell auch im Religionsunterricht, sein und damit auch die Basis für die Planung von nachhaltigen Lernprozessen bilden. [114]


[108] Vgl. Klieme-Expertise, S. 27-28.
[109] Klieme-Expertise, S. 21.
[110] Vgl. Klieme-Expertise, S. 27-28.
[111] Vgl. Klieme-Expertise, S. 138.
[112] Vgl. http://www.bildung-staerkt-menschen.de/unterstuetzung/schularten/Gym/niveaukonkretisierungen/kR
[113] Vgl. Schambeck, Was bedeutet, „religiös kompetent“ zu sein?, S.136ff.
[114] Vgl. Klieme-Expertise, S. 146-154.

Was ist kompetenzorientierter Religionsunterricht?: Herunterladen [pdf] [650 KB]