Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Überprüfung des Lernerfolgs

Klassenarbeiten sind und bleiben für die Lehrkräfte ebenso wie für die Schülerinnen und Schüler die wichtigste Form der Leistungsbewertung. Gleichzeitig beschränken sie sich häufig auf die fachlich- inhaltliche Dimension und haben sich in ihrer konkreten Gestaltung im Schulalltag in den letzten Jahren nur wenig weiterentwickelt. [ 169 ]
Betrachtet man die oben dargestellte veränderte Lern- und Unterrichtskultur in einem kompetenzenorientierten Religionsunterricht, ergeben sich zwei wesentliche Konsequenzen: Zum einen müssen sich die Formulierungen der Aufgaben ändern. Die in Klassenarbeiten häufig verwendeten W-Fragen müssten – wie in den EPA – durch Operatoren ersetzt werden, die Reproduktion von Unterrichtsstoff müsste zugunsten von Aufgabenstellungen aus den verschiedenenAnforderungsebenen reduziert werden. Darüber hinaus sollten Aufgaben auch die Gelegenheit bieten, im Laufe der vergangenen Schuljahre erworbenes Grundwissen zu integrieren. [ 170 ]
Neben dieser veränderten Aufgabenkultur ergibt sich aus der Kompetenzorientierung des Unterrichts eine weitere Veränderung der Aufgaben in Klassenarbeiten. Wenn der Unterricht nach Möglichkeit von der konkreten Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und – soweit vorhanden – von konkreten Anforderungssituationen ausgeht, liegt es nahe, dass dies auch bei der Leistungsmessung der Fall sein sollte. Aufgaben in Klassenarbeiten könnten also – ganz oder teilweise - von konkreten (evtl. lebensnahen) Problemstellungen ausgehen, für deren Bewältigung die im Unterricht erworbenen fachlichen, methodischen und evtl. auch sozialen Kompetenzen benötigt werden. Dies könnten zum Beispiel aktuelle Ereignisse (Presseberichte, Fotos etc.), Karikaturen etc. sein. So wäre es denkbar, den Schülerinnen und Schülern die Berichterstattung über ein konkretes Ereignis vorzulegen und sie zu bitten, einen Leserbrief zu schreiben, der aus der Sicht des christlichen Glaubens Stellung zu dem Ereignis bezieht. [ 171 ] Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern könnte die Klassenarbeit aus der Bewältigung einer (fiktiven) Situation bestehen.
Hierbei ist natürlich darauf zu achten, dass alle Anforderungsebenen berücksichtigt werden und auch die unteren Anforderungsebenen wie Reproduktion und Reorganisation weiterhin abgeprüft werden und mit einem entsprechenden Gewicht in die Gesamtbewertung eingehen. [ 172 ]

Diese Form der Leistungsmessung und die damit verbundene Entwicklung von Niveaustufen der unterschiedlichen Bereiche der erworbenen Kompetenzen [ 173 ] - wird noch ausführlich zu entwickeln sein. Man kann jedoch schon sagen, dass solche kompetenzorientierte Prüfungsaufgaben – ähnlich wie die Lernaufgaben – komplex sein sollten und verschiedene Lösungswege zulassen. Gleichzeitig müssen sie allerdings so präzise gestellt sein, dass eine Bewertung anhand klarer, für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbarer Kriterien möglich ist. [ 174 ]


[169] Vgl. Bohl, Prüfen und Bewerten im offenen Unterricht, S. 44; S. 50.
[170] Vgl. Grill-Ahollinger: Konzentration und langer Atem: „Grundwissen“ aufbauen, in: „Fast wie im richtigen Leben…“, S 18.
[171] z.B. zum Thema Todesstrafe, Menschenwürde: Stellungnahme aus der Sicht der DBK zum Tod von Osama Bin Laden (Anfang Mai 2011).
[172] Vgl EPA, S. 10: „das Schwergewicht der zu erbringenden Prüfungsleistungen im Anforderungsbereich II (mit ca. 40%) liegt und daneben die Anforderungsbereiche I und III (mit je ca. 30%) berücksichtigt werden, und zwar Anforderungsbereich I in höherem Maße als Anforderungsbereich III.“
[173] Vgl. Nikolova u.a., Das Berliner Modell religiöser Kompetenz, S. 81. Dort findet sich auch ein Beispiel für Niveaustufen zur Hermeneutischen Kompetenz.
[174] Vgl. hierzu: Rupp, Vortrag vom 18.2.2011, S. 9.

 

Was ist kompetenzorientierter Religionsunterricht?: Herunterladen [pdf] [650 KB]