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Aufbauendes Lernen

Aufbauendes Lernen am Beispiel der Dimension 4:
Die Frage nach Gott

Die „Frage nach Gott“ kennzeichnet das Profil des Religionsunterrichts und ist Zentrum aller religionspädagogischen Didaktik. Im Bildungsplan 2004 ist die Gottesfrage – als Dimension 4 – in die Bildungsstandards aufgenommen, wird aber auch ausdrücklich in einigen verbindlichen Themenfeldern behandelt.

Kompetenzorientiertes Lernen qualifiziert sich als nachhaltiges, d.h. wiederholendes und sich spiralförmig erweiterndes und vertiefendes Lernen. Vom Standardzeitraum 5/6 bis in die Kursstufe sollte sich konsequenterweise ein „roter Faden“, eine Aufbaulogik durchziehen. Eine stringente didaktische Entwicklung, bei der entwicklungspsychologische und religionspädagogische bzw. theologische Aspekte adäquat miteinander verknüpft sind, fehlt jedoch im Blick auf „Die Frage nach Gott“ im Bildungsplan.
Bei genauerer Betrachtung lassen sich aber drei „Aufbaulinien“ entdecken:

  • Der linguistische bzw. sprachliche Aspekt: In welcher Sprache kann von Gott geredet werden?
    Standardzeitraum 5/6: wörtlich-bildhafte Sprache; Vergleich, Symbol, Metapher – 7/8: Gleichnisse – 9/10: Grenzen des Redens von Gott – 11/12: Analogie des Redens von Gott
  • Der theologische Aspekt: Welche Gottesbilder sind – insbesondere von der Bibel her – angemessen und zu verantworten?
    5/6: v.a. der Schöpfergott – 7/8: Das Gottesbild Jesu; Gottesvorstellungen im Islam und Christentum – 9/10: Der dem Menschen zugewandte Gott – 11/12: Gott als Schöpfer, Befreier, Retter, Vollender; Trinität.
  • Der existenzielle Aspekt: Wie prägend ist der Glaube an Gott im Leben und in der Geschichte?
    5/6: Lebensgeschichten mit Gott: Abraham, Tobit, Paulus – 7/8: Handeln der Propheten – 9/10: Gottesglaube und Konsequenzen für die Lebensgestaltung; Erfahrung der Nähe und Abwesenheit Gottes – 11/12: (Kognitive, existenzielle, spirituelle) Zugänge zum Gottesglauben.

Ein Religionsunterricht, der auf nachhaltiges Lernen zielt, hat auch entwicklungspsychologische Erkenntnisse zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Bilder von Gott konstatiert eine nicht unerhebliche Zahl von Religionspsychologen und -pädagogen eine Entwicklung, die tendenziell von konkret-naiven bzw. anthropomorphen zu eher abstrakten, symbolischen Vorstellungen führt.

Mit der Pubertät beginnt für viele Jugendliche ein Ablösungsprozess von allzu vertrauten Bildern, ohne dass diese durch reflektierte und verantwortbare neue Vorstellungen ersetzt werden.

Nicht wenige Jugendliche ziehen sich in dieser Situation auf einen individualistischen Standpunkt zurück. „Jeder kann glauben, was er will“ – „Jeder kann sich Gott vorstellen, wie er möchte“ – Das sind gängige Ansichten. Einer Überprüfung durch „Autoritäten“ wie die Bibel oder die Theologie als Wissenschaft widersetzen sie sich gerne.

Für die Religionspädagogik muss es deshalb ein wichtiges Anliegen bleiben, die jungen Menschen durch diese Sprach- und Erlebenskrise hindurch zu begleiten, damit „die Frage nach Gott“ und der Gottesglaube weiterhin eine existenziell wichtige Option sind. Und ein kompetenzorientierter Unterricht hat darauf zu achten, dass die Schülerinnen und Schüler für ein angemessenes Reden von Gott sensibilisiert werden, und zwar in einem organisch sich über die Standardzeiträume entwickelnden Lernprozess. Frage- und Problemstellungen, aber auch biblische Texte, Bilder der Kunst und andere Medien müssen im Curriculum deshalb altersgemäß und inhaltlich richtig platziert werden.

 

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