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Gesprächsregeln

M2.2 Über den Islam sprechen – mit Muslimen sprechen

Kompetenzorientierung

Impulse zur sprachlichen Einübung und Reflexion über das Sprechen in der Anfangsphase einer Unterrichtseinheit zum Dialog zwischen Christen und Muslimen können den Schülerinnen und Schülern helfen, sich ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen gegenüber dem Islam und zur eigenen Tradition, in der sie, auch wenn es ihnen nicht explizit bewusst ist, stehen, bewusst zu werden. Dabei eröffnen sich für den Unterricht (Planungs-) Möglichkeiten, sowohl an der interkulturellen als auch an der interreligiösen Kompetenz zu arbeiten.

Bevor Einzelelemente der anderen Kultur und Religion bearbeitet werden, kann ansatzweise der Perspektivenwechsel schon bewusst gemacht werden: Ich werde im Blick des Anderen mit einer religiösen Herkunft verbunden; ich sehe beim Anderen Dinge, die mir fremd sind. Dies ermöglicht grundsätzlich den Schritt, Anerkennung und Respekt gegenüber dem Fremden als angemessene Haltung anzusehen und die eigene kulturelle Bedingtheit zu erkennen und anzuerkennen. Natürlich ist mit dieser anfänglichen Einsicht noch keine Handlungsfähigkeit gegeben, die sich in konkreten Situationen bewährt.

Wird in der Anfangsphase der Unterrichtseinheit zunächst die Frage des Sprechen über die Religion gestellt, kann dies den Schülerinnen und Schülern den folgenden Schritt zum Sprechen mit Gläubigen der anderen Religion erleichtern und auf das dafür notwendige Taktgefühl (Empathie) hinweisen.

 

Unterrichtsbeispiel

Formulierung von Regeln für das Sprechen über die eigene Religion und für das Sprechen über die andere Religion

Die Lehrerin/der Lehrer konfrontiert die Schülerinnen und Schüler mit folgendem Impuls:

„Bevor wir über einzelne Fragen und Probleme mit der anderen Religion ins Gespräch kommen, sollten wir zusammen überlegen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit ein solches Gespräch gelingt. Wir müssen damit rechnen, dass wir auch nach unserer Religion gefragt werden. Es geht also nicht nur darum, wie wir über die fremde Religion sprechen, sondern auch, wie wir über unsere Religion, die Religion, die unseren Kulturkreis geprägt hat, sprechen.“

Die Lehrperson sollte keine inhaltlichen Vorgaben machen, sondern die Schülerinnen und Schüler selbstständig in Kleingruppen an der Formulierung von Gesprächsregeln und ihrer Begründung arbeiten lassen. Anschließend werden die Vorschläge gesichtet und gesammelt. Sie können in späteren Phasen des Unterrichts immer wieder zum Bezugspunkt genommen werden.

Mögliche Ergebnisse könnten so aussehen:

Regeln für das Sprechen über die eigene Religion:

  • nicht angeben
  • sie nicht schlecht machen
  • Verständnis für die Religion wecken
  • nicht überreden wollen

Regeln für das Sprechen über die fremde Religion:

  • nicht beleidigen
  • Achtung vor der Religion haben
  • keine Vorurteile verbreiten
  • nichts Falsches behaupten
  • Gemeinsamkeiten suchen

Sind die Ergebnisse der Schüler sehr knapp oder zeigen sie nicht die erwartete Wertorientierung, ist dies ein wichtiges Indiz für den Lehrer über die Ausgangslage in der Lerngruppe. In diesem Fall gilt es Geduld zu haben und den Schülern zuzutrauen, auf sich anschließende Impulse hin selbstständige Lernschritte zu machen.

Gerade im zuletzt geschilderten Fall könnte es ein weiterführender Schritt sein zu fragen: Wie redet eigentlich die katholische Kirche über den Islam oder über andere Religionen? Die Schülerinnen und Schüler könnten sich dazu z.B. mit einem kurzen Auszug aus Nostra aetate (NA) (II. Vatikanischen Konzil) auseinandersetzen. „Zeit der Freude“ 5/6 und „Mittendrin“ 2 bieten dazu den folgenden Auszug („Zeit der Freude“ unter der Fragestellung „Wie sollten Christen und Muslime miteinander umgehen?“. In „Mittendrin“ 2 ist das Zitat etwas länger):

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. … Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“ (NA 3)

 

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