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Jüdische, christliche, muslimische Aussagen zur Theodizeefrage

M8.2 Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids

Als Papst Benedikt XVI. am 28. Mai 2006 das Konzentrationslager Auschwitz besuchte, hielt er dort eine tief bewegende Ansprache: „An diesem Ort des Grauens […] versagen die Worte […]. Wie viele Fragen bewegen uns an diesem Ort! Immer wieder ist da die Frage: Wo war Gott in jenen Tagen? Warum hat er geschwiegen? Wie konnte er dieses Übermaß von Zerstörung, diesen Triumph des Bösen dulden?“1 Dieselben Fragen stellen wir angesichts der jüngsten Erdbebenkatastrophe in Japan. Auch hier wüten rein zerstörerische Kräfte und vernichtende Verkettungen von Ereignissen, denen der Mensch ausgesetzt ist. Wo ist hier Gott?

Das ist das so genannte Theodizeeproblem. Der Begriff „Theodizee“ stammt vom deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716). Das Wort Theodizee ist zusammengesetzt aus den beiden griechischen Worten theós und díke. Theós heißt Gott und díke Rechtfertigung. Im Theodizeeproblem geht es also um die Frage: Wie können wir unseren Glauben an Gott rechtfertigen angesichts einer Welt voller Leid und Übel? Das Theodizeeproblem hat daher die Struktur eines logischen Widerspruchproblems. Erstens glauben wir, dass Gott allmächtig ist; zweitens glauben wir, dass Gott vollkommen gütig ist; drittens müssen wir feststellen, dass es Leid gibt. Aber wenn Gott allmächtig ist, dann könnte er alles Leid verhindern; und wenn Gott vollkommen gütig ist, dann müsste er alles Leid verhindern. Trotzdem gibt es ein noch dazu vernichtendes Ausmaß an Leid und Unglück!

Bertrand Russell (1872-1970), der englische Mathematiker und Philosoph, stellte einmal die Frage: Stellen Sie Sichvor, Sie wären allmächtig. Hätten Sie dann wirklich nur eine Welt wie die unsere erschaffen? Eine Welt voller moralischer Übel, wie Hass und Gewalt, und voller natürlicher Übel, wie Krankheiten und Naturkatastrophen? Wohl jeder moralisch halbwegs sensible Mensch würde antworten: Nein, wenn ich allmächtig wäre, würde die Erde anders aussehen. Dann würde ich eingreifen, wo es nötig ist. Warum tut Gott das nicht? Atheisten wie Russell ziehen daraus den Schluss: Gott greift deshalb nicht ein, weil es ihn gar nicht gibt; wenn es ihn gäbe, hätte er eine bessere Welt erschaffen. Dieser atheistische Rückschluss ist nicht böswillig gemeint. Der Atheist erkennt im Weltgeschehen nicht die ‚Handschrift’ eines liebenden Gottes, sondern sieht im Triumph von Hass und Gewalt, im Leiden ohne Grund und Grenze die Fratze des Bösen und des Absurden. Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass es ihn nicht gibt, sagt der moderne Protestatheismus. Was antwortet die Theologie darauf?

Den vollständigen Aufsatz mit den im Folgenden genannten Themen können Sie über den Download einsehen:

  • Traditionelle Standardantwort
  • Moderne Gegenwartstheologie
  • Theoretische Theodizeen
  • Praktische Theodizeen
  • Das Buch Ijob
  • Fazit

M8.3 Die Theodizee in der jüdischen Tradition

  1. Erschütterung
  2. Eine Frage ohne Antwort
  3. Was sagt uns das Buch Hiob
  4. Gott mit uns

M8.4 Zwischen Erhebung und Erduldung: Die muslimische Grundhaltung im Umgang mit Leid

  1. Einführung
  2. Leiden verstehen wollen
  3. Leid als Folge menschlichen Tuns
  4. Erduldung und Ergebenheit
  5. Leid und Dankbarkeit
  6. Schluss

 

Jüdische, christliche, muslimische Aussagen zur Theodizeefrage:
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