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Klassenarbeit

Aufgabe 1

Text 1: Vergil, Aeneis I 1-11

Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris
Italiam fato profugus Laviniaque venit
litora, multum ille et terris iactatus et alto
Waffentaten und den Mann besinge ich, der als erster von der Küste Trojas an latinische Gestade kam, getrieben vom fatum ; viel war jener sowohl in
vi superum, saevae memorem Iunonis ob iram,
multaque et bello passus, dum conderet urbem
inferretque deos Latio; genus unde Latinum
Ländern als auf dem Meer umhergeworfen worden durch die Gewalt der Götter, wegen der dauernden Wut der Iuno, viel hatte er auch im Krieg erlitten,
Albanique patres atque altae moenia Romae.


Musa, mihi causas memora, quo numine laeso
quidve dolens regina deum tot volvere casus
bis er die Stadt gründete und die Götter Latium brachte; daher stammen das Geschlecht in Latium, die Väter von Alba und die Mauern des hohen Rom. Muse, erinnere mich an die Gründe, nach welcher Verletzung ihres göttlichen Willens und worüber
insignem pietate virum, tot adire labores
impulerit. Tantaene animis caelestibus irae?
Schmerz empfindend die Königin der Götter einen durch pietas ausgezeichneten Mann zwang, so viele Unglücksfälle zu ertragen, so viele Strapazen auf sich zu nehmen. So groß ist die Wut in Seelen der Himmlischen?

Text 2: Lucan, De bello civili I 1-8

Bella per Emathios plus quam civilia campos
iusque datum sceleri canimus, populumque potentem
in sua victrici conversum viscera dextra
cognatasque acies, et rupto foedere regni
certatum totis concussi viribus orbis
in commune nefas, infestisque obvia signis
signa, pares aquilas et pila minantia pilis.
Kriege im Gebiet von Pharsalos, schlimmer als Bürgerkriege, und das Recht, das dem Verbrechen geopfert wurde, besinge ich, und ein mächtiges Volk, das mit siegreicher Hand sich gegen sein eigenes Fleisch wandte, und von Heeren Verwandter; <ich singe davon,> wie nach dem Bruch eines Herrschaftsbündnisses mit allen Kräften der erschütterten Welt gekämpft wurde bis zum gänzlichen nefas , wie Feldzeichen feindlichen Feldzeichen gegenüberstanden, gleiche Legionsadler und Wurfspeere, die anderen Wurfspeeren drohten.
Quis furor, o cives, quae tanta licentia ferri? Was für ein Wahnsinn, Bürger, was für eine große Willkür an Waffen <war das>?

[Anmerkung: Die Texte im Download enthalten Zeilennummern und ggf. andere Umbrüche.]

 

Aufgabe

1.1

„Vergil zu übertreffen schien den Epigonen (= Nachfolgern) des Silbernen Zeitalters (= Zeit der nachaugusteischen Literatur) fast unmöglich, doch eine schöpferische Nachahmung, eine Art Wettbewerb, wobei man die eigene, unverwechselbare Identität zu bewahren suchte, war ein lohnendes Ziel. Lukan hat natürlich die Aeneis genau gelesen.“
[Georg Luck, Lucan. De bello civili , Stuttgart 2009, 684]

Untersuchen Sie in einem genauen Vergleich beider Texte, ob Lucks Auffassung für Lukans Gedicht über den Bürgerkrieg zutreffend ist. Berücksichtigen Sie dabei sowohl inhaltliche als auch sprachlich-gestalterische Aspekte. Beziehen Sie sich grundsätzlich auf die lateinischen Texte.

15 VP

1.2

Zeigen Sie ausgehend von der Textsorte Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Texte auf.

12 VP

 

Aufgabe 2

Text 1: Ovid, Amores I 1-6

Arma gravi numero violentaque bella parabam
       edere, materia conveniente modis.
Par erat inferior versus; risisse Cupido
      dicitur atque unum surripuisse pedem.                
Waffen in gewaltiger Zahl und gewaltsame Kriege herauszugeben war ich bereit, wobei der Stoff dem Metrum angemessen war. Gleich war der untere Vers <dem oberen>; Cupido soll gelacht haben und einen Versfuß entwendet haben.
„Quis tibi, saeve puer, dedit hoc in carmina iuris?
      Pieridum vates, non tua, turba sumus.
„Wer gab dir, wilder Knabe, dies Recht zu Gedichten? Ich bin ein Seher aus dem Gefolge der Musen vom Helikon, nicht aus deinem Gefolge.“

Text 2: Vergil, Ecloga VI 3-5

Cum canerem reges et proelia, Cynthius aurem
vellit et admonuit: „Pastorem, Tityre, pingues
pascere oportet oves, deductum dicere carmen.“
Als ich Könige und Kämpfe besang, zupfte Apollo mich am Ohr und ermahnte mich: „Es gehört sich, Tityrus, dass ein Hirte fette Schafe weidet und ein einfaches Lied singt.

Text 3: Properz II 34, 59-66

Me iuvat hesternis positum languere corollis,
       quem tetigit iactu certus ad ossa deus,
Actia Vergilium custodis litora Phoebi,
       Caesaris et fortes dicere posse rates,
qui nunc Aeneae Troiani suscitat arma
       iactaque Lavinis moenia litoribus.
Cedite Romani scriptores, cedite Grai!
       Nescio quid maius nascitur Iliade.
Lässig auf den Kränzen der vergangenen Nacht zu liegen behagt mir, den ein sicher treffender Gott mit seinem Pfeil bis auf die Knochen getroffen hat; Vergil gefällt es, die von Apollon beschützte Küste Actiums und die tapfere Flotte Caesars zu besingen, Vergil, der jetzt die Kämpfe des Trojaners Aeneas heraufbeschwört und die Mauern an der Küste von Latium. Weicht, römische Dichter, weicht Griechen! Ich glaube, etwas Bedeutenderes als die Ilias entsteht. 

[Anmerkung: Die Texte im Download enthalten Zeilennummern und ggf. andere Umbrüche.]

 

Aufgabe

2.1

Zeigen Sie, dass in allen drei Texten die sogenannte recusatio als dichterisches Mittel eingesetzt ist. Beziehen Sie sich jeweils auf den lateinischen Text.

8 VP

2.2

Welcher Unterschied besteht bei der Gestaltung der recusationes zwischen den Texten 1 und 2 einerseits und Text 3 andererseits?

4 VP

2.3

Von welchen Plänen Vergils weiß Properz?
Beziehen Sie sich auf den lateinischen Text und ziehen Sie außerdem sowohl Ihre Lektürekenntnis als auch die beigegebene Zeitachse zur Bearbeitung heran.

6 VP

 

 

45 VP


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