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Fragen, die an jeden beliebigen antiken Text gestellt werden können

Die erste Klasse von Kriterien lässt sich auf jeden beliebigen Text anwenden. Die hier gegebenen Interpretationshilfen können als Erweiterung eines auf dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg vorgestellten Modells verstanden werden.  [1] [2]

Die erste Frage ist immer die nach der Textsorte. In vielen Fällen ist diese von vorne herein klar, v.a. bei der Behandlung des Abiturthemas.

Folgende Fragen können an jeden beliebigen Text gestellt werden:

  1. Zu welcher Textsorte gehört der Text?
  2. Zu welchem Bereich der Literatur gehört der Text? Bezieht er sich eher auf den poetischen, den philosophischen oder den historisch-politischen Bereich der lateinischen Literatur?
  3. Handelt es sich um Prosa oder ist der Text in einem Versmaß geschrieben? Wenn ja, in welchem?
  4. Wie ist der Text gegliedert? Um den Text zu erschließen, ist es in jedem Fall sinnvoll, nach der gründlichen und langsamen Lektüre den Aufbau zu bestimmen.
  5. Will man herausfinden, worüber der Text spricht, so können die meisten Texte in einen Hintergrund, das Thema , das der Text erschließt, und zweitens den Vordergrund, die eingentliche Aussage unterschieden werden, die der Text zu seinem Thema trifft.
  6. Kann man eine bestimmte gesellschaftliche Funktion erkennen, welcher der Text dient? Diese Frage erschließt v.a. die politischen Texte, die dadurch gekennzeichnet sind, dass der Sprecher seine politische Meinung verbreiten möchte. Generell ist es sinnvoll, diese Frage an jeden Text zu stellen; in vielen Fällen kann die gesellschaftliche Funktion aber nicht sicher bestimmt werden.
  7. Verwendet der Autor bestimmte Stilmittel ? Bereits die antiken Rhetoriklehrer haben ein umfassendes System der rhetorischen Tropen und Figuren entwickelt. In jeder lateinischen Grammatik findet sich (meist im Anhang) eine Liste dieser Stilmittel. 
  8. Welche grammatischen Merkmale weist der Text auf? Hier kann man sich z.B. an der morphologischen Analyse der Prädikate orientieren, d.h. der Schüler oder die Schülerin kann die Kenntnisse der Formenlehre (Morphologie) auf den Text anwenden und fragen, welches Tempus der Autor verwendet, ob es Konjunktive gibt und welche Funktion sie haben. Zum Bereich der Grammatik kann man auch die Syntax rechnen, also den Satzbau. Hier ist zu fragen, ob der Text viele Nebensätze enthält (Hypotaxe) oder aus vielen eigenständigen Hauptsätzen besteht (Parataxe).
  9. Die Rezeptionsgeschichte der Textsorte. Wie haben sich die Textsorte und das Thema seit der Antike bis hin zur Moderne weiterentwickelt, d.h. gibt es diese Textsorte heute noch, dient sie der Darstellung der gleichen Themen wie die antiken Beispiele? Welche Medien kommen heute für die Übermittlung der Botschaft zum Einsatz?

 


Anmerkungen und Literaturhinweise

[1] Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Interpretationsmodell  

[2] Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Liste der Stilmittel