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Synoptische Lektüre: vv 5-25

 

Maeoniaeque animum fatis intendit Arachnes,  5
quam sibi lanificae non cedere laudibus artis
audierat. Non illa loco nec origine gentis
clara, sed arte fuit: Pater huic Colophonius Idmon
Phocaico bibulas tinguebat murice lanas;
occiderat mater, sed et haec de plebe suoque  10
aequa viro fuerat; Lydas tamen illa per urbes
quaesierat studio nomen memorabile, quamvis
orta domo parva parvis habitabat Hypaepis.
Huius ut adspicerent opus admirabile, saepe
deseruere sui nymphae vineta Timoli,  15
deseruere suas nymphae Pactolides undas.
Nec factas solum vestes, spectare iuvabat
tum quoque, cum fierent: Tantus decor adfuit arti,
sive rudem primos lanam glomerabat in orbes,
seu digitis subigebat opus repetitaque longo  20
vellera mollibat nebulas aequantia tractu,
sive levi teretem versabat pollice fusum,
seu pingebat acu; scires a Pallade doctam.

Quod tamen ipsa negat tantaque offensa magistra
'certet' ait 'mecum: nihil est, quod victa recusem!' 25

Sie richtete ihren Sinn auf den Untergang der Lyderin Arachne, die sich ihr – wie sie gehört hatte – nicht unterordnen wollte, was den Ruhm in der Wollwebekunst anging. Jene war weder wegen des Standes noch der Herkunft ihres Geschlechtes berühmt, sondern wegen ihrer Kunstfertigkeit: Der Vater Idmon aus Kolophon färbte dieser saugfähige Wolle mit Purpurfarbe aus Phocaea; die Mutter war gestorben, aber diese war aus dem einfachen Volk gewesen und deshalb ihrem Mann gleich; dennoch hatte sich jene in den Städten Lydiens einen denkwürdigen Namen durch ihren Eifer erworben, obwohl sie aus einem bescheidenen Haus stammte und in dem bescheidenen Hypaepa wohnte. Um ihr bewunderungswürdiges Werk anzuschauen, verließen die Nymphen oft ihre Weingärten am Timolus und ebenso verließen die Nymphen des Flusses Pactolus ihr Gewässer.
Es freute die Nymphen nicht nur, die Gewebe im fertigen Zustand anzuschauen, sondern auch, wie sie hergestellt wurden: Ein so großer Glanz wohnte ihrer Kunst inne, sei es, dass sie die unbearbeitete Wolle erst zu Knäuel fügte, sei es, dass sie den Stoff mit den Fingern bearbeitete und sie die wiederholt angegriffene Schurwolle durch langes Ziehen geschmeidig machte, die Nebelschleiern glich, sei es, dass sie mit behendem Daumen die glatte Spindel drehte, sei es, dass sie stickte. Man hätte glauben können, sie sei von Pallas Athena darin unterrichtet worden.
Aber dieses bestreitet sie selbst und entgegnet, beleidigt darüber, dass eine so große Göttin ihre Lehrmeisterin sei: „Sie soll mit mir wetteifern: es gibt nichts, was ich im Fall einer Niederlage zurückweise!“


Vokabelhilfen:
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Maeonius, a, um
Arachne, es f
lanifica ars
cedere (+Abl)
Colophonius, a, um
Phocaicus, a, um
bibulus, a, um
tinguere, -o, tinxi, tinctum
murex, icis m
lana, ae f
Lyd(i)us, a, um
memorabilis, is , e*
Hypaepa, orum n pl
vinetum, i n
T(i)molus, i m
Pactolides nymphae
decor, oris m
rudis, is, e
glomerare
subigere, - o, -egi, -actum
vellus, eris n
teres, teretis
fusus, i m
pingere, -o, pinxi, pictum
acus, us f
pingere acu
offendere,- o,-fendi, -fensum*
lydisch
lydische Jungfrau, Tochter des Kolophoniers Idmon, eines Purpurfärbers.
Webkunst
hier: nachstehen in
Kolophonier, aus Kolophon (Stadt in Ionien) stammend
aus Phocaea (Seestadt in Ionien) stammend
durstig, saugfähig
benetzen, befeuchten, färben
Purpurschnecke, Purpurfarbe
Wolle
lydisch
berühmt, erinnerungswürdig
Städtchen am Südabhang des Tmolus in Lydien
Weingarten
ein an Wein und Safran reiches Gebirge in Lydien, auch Stadt
Nymphen des Flusses Pactolus (goldführender Fluss in Lydien)
Anstand, Würde, Anmut, Schmuck
roh, ungesponnen
zum Knäuel ballen
bearbeiten
Wolle (abgeschoren, noch zusammenhängend)
länglich, schlank
Spindel
zeichnen, malen, lebhaft schildern
Nadel, Spitze, Stift
sticken
beleidigen

 

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