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Teil 1: Übersetzungsklausur

Schritt 2: Konzeption der Niobe-Klausuren mit Schlussfolgerungen / Aufgabenstellungen für die Arachne-Einheit

Hier stehen vor allem die Überprüfung der Sprach- und der muttersprachlichen Kompetenz im Vordergrund. Dafür muss das Augenmerk auf den ovidischen Sprachstil [1] gelegt werden, der sich vor allem durch häufige Hyperbata und durch eine „verdichtete“ Aneinanderreihung von parallel gesetzten Verbalinformationen in Form finiter Verben und Partizipien auszeichnet. Deshalb erscheint es empfehlenswert, vor der Übersetzung in der Texterschließungsphase Aufgaben zu stellen, die gerade solche textsyntaktischen ovidischen Besonderheiten in den Blick nehmen. Üblicherweise wird dies im Unterricht praktiziert; in der Klausur wird auf dieses Verfahren oftmals leider verzichtet. M. E. bietet sich hier die Chance, differenziert auf die einzelnen Leistungsniveaus der Schülerinnen und Schüler Rücksicht zu nehmen. Alle Schüler werden durch die Aufgabentypen
  • geben Sie die Hyperbata im Text an (mit Versangabe)!
  • suchen Sie alle Begriffe heraus, die durch „und“ verbunden sind (mit Versangabe)!
  • suchen Sie alle Verbalinformationen mit ihren Handlungsträgern heraus und skizzieren Sie den Handlungsverlauf (mit Versangabe)!

aufgefordert, ihr Augenmerk zu richten

  • auf die Hyperbata und damit nach KNG-Kongruenzen zwischen Bezugswörtern und Attributen (adjektivisches Attribut, Genitiv Attribut, Partizip) zu suchen,
  • auf parallel gebaute Wortarten und / oder Wortgruppen,
  • auf im Haupt- oder Nebensatz befindliche Prädikate mit ihren Subjekten oder Partizipien mit ihren Bezugswörtern (Partizipialkonstruktionen und / oder ablativus absolutus-Konstruktionen) und damit schon einen ersten Handlungsstrang zu paraphrasieren.

Diese Vorarbeit sollte in der Klausur ohne Wörterbuch geleistet werden; nach der Abgabe dieser textsyntaktisch orientierten Texterschließung sollten alle Schülerinnen und Schüler vor der Übersetzung den Erwartungshorizont erhalten, damit auch mittelstarke und schwache Schüler den Erwartungshorizont als weiteres Angebot der Übersetzungshilfe verstehen und für die Übersetzung auch tatsächlich anwenden. Zudem können Schülerinnen und Schüler beim Lesen des Erwartungshorizontes eine erste Selbstdiagnose vornehmen, ihre Grammatikkenntnisse für die Übersetzung ergänzen und so für die Übersetzung fruchtbar machen. Die Erfahrung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler diese Texterschließung in der Klausur nur dann ernsthaft betreiben, wenn sie auch mit in die Bewertung eingeht. M. E. sind folgende Bewertungskriterien für die Texterschließung und Übersetzung nützlich:

Teile

Bewertung

Texterschließung

30 – 40 %

Übersetzung

70 – 60 %

Anzumerken ist, dass das Zeitlimit für die Texterschließung (45 min) auch nur als Obergrenze verstanden wird. Sollte eine Schülerin oder ein Schüler vorher die Aufgaben gelöst haben, lässt die Lehrerin / der Lehrer ihr / ihm den Erwartungshorizont zukommen. So entscheidet die Schülerin / der Schüler selbst, wie viel Zeit sie / er für die Texterschließung und für die Übersetzung mit Hilfe des Erwartungshorizontes und des Wörterbuches verwendet.

Tabellarische Übersicht:

Inhalte

Kompetenzen

KLAUSUR-NIOBE (met. VI, 267-285): Niobe erfährt von dem Tod ihrer sieben Söhne. Ihr Ehemann Amphion beendet sein Leben durch Selbstmord, Niobe gerät in Trauer und Zorn. Ihren Hochmut gibt sie nicht auf, sie fühlt sich immer noch wegen ihrer sieben Töchter der Göttin Latona überlegen.

(4_1_Klausur_Uebersetzung_Niobe )

Schülerinnen und Schüler kennen die Dichtersprache (Hyperbata, „verdichtete“ parallele Sequenzen mit zahlreichen Verbalinformationen), suchen aus dem Text nach diesen sprachlichen Besonderheiten und erfassen den inhaltlichen Zusammenhang
(STÄRKUNG DER SPRACHKOMPETENZ UND DER TEXTKOMPETENZ DURCH REORGANISATION ). Schließlich erhalten die Schülerinnen und Schüler nach der Abgabe der ersten Arbeitsaufträgen (textsyntaktisch orientierte Texterschließung) den Erwartungshorizont, prüfen im Kopf ihre abgegebene Texterschließung mit der Lösung
(SELBSTDIAGNOSE, STÄRKUNG DER PERSONALEN KOMPETENZ) und übersetzen den Text (FÖRDERUNG DER ÜBERSETZUNGSKOMPETENZ UND DER MUTTERSPRACHLICHEN KOMPETENZ).

UNTERRICHTSEINHEIT-ARACHNE:
Text 1 (met. VI, 1-4: Der Erzähler lässt Pallas Athene die Geschichte von Niobe zu Ohren kommen und die Gottheit postuliert schon im „Prooemium“ die Strafe bei menschlicher Hybris.):
(3_1_Arachne_Text 1)
Text 3a (met. VI, 26-33: Pallas Athene maskiert sich als Greisin und fordert Arachne in ihrer Rede zu Besonnenheit und Demut auf.), Text 3b (met. VI, 34-42: Arachne erwidert die Rede der alten Greisin, beleidigt ihr Gegenüber und fordert die Gottheit im Glauben, sie sei nicht präsent, zum Wettstreit auf.), Text 3c (met. VI, 43-54: Es kommt zur Epiphanie der Pallas Athene, die von den Nymphen mit angebrachtem und ehrfurchtvollem Respekt begrüßt wird. Arachne schießt die Röte ins Gesicht, sie beharrt dennoch auf ihrer Stellung und rüstet sich zum Wettstreit.):
(3_3_Arachne_Text 3a_b_c)
Text 1 , Text 3a , Text 3b , Text 3c in statarischer oder partiell statarischer Leseart mit vorgeschalteter textsyntaktisch und textsemantisch orientierter Texterschließung!

Siehe oben!
Bei der Arachne–Einheit werden neben der textsyntaktisch orientierten Texterschließung auch textsemantische Elemente der Vorentlastung fokussiert. Die Erarbeitung von Sachfeldern erweitert im Bereich der SPRACHKOMPETENZ den WORTSCHATZ.
Zudem bilden in dem Bereich der Texterschließung bei Text 3a und Text 3c textsortenspezifische grammatische Phänomene die Grundlage („Erzählerrede“ versus Figurenrede).
Somit wird hinsichtlich der TEXTKOMPETENZ das Wissen um Textsorten mit den entsprechenden grammatischen Textsignalen erweitert.
All diese Fertigkeiten schulen mit den anderen Texten der Unterrichtseinheit die KULTURKOMPETENZ, da der Hochmut der Niobe und Arachne im intratextuellen Vergleich differenziert erläutert werden kann.

[1] Vgl. hierzu von Albrecht (Dichter und Leser), 222-235.

 

4_1_Klausur_Übersetzung_Niobe: Herunterladen [doc] [95 KB]

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