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Gliederung eines ungegliederten Textes

Befreie dich selbst!

Arbeitsschritte

Arbeitsschritt 1: Textsorte?
Autorangabe, deutsche Überschrift, Textform?
=> Erwartung einer bestimmten thematischen Entfaltung.

Arbeitsschritt 2: Wie wird das Thema entfaltet?
Erfassen des Textinhalts auf der Grundlage der deutschen Übersetzung
=> Erstellen einer provisorischen Gliederung.

Arbeitsschritt 3: Bestätigen die vorgefundenen Kohärenzfaktoren die provisorische Gliederung?
semantische:
Rekurrenzen und Substitutionen;
Bedeutungsfelder (Isotopien).
morphologisch-syntaktische:
Personen;
Tempora und Modi;
Genera verborum;
Konnektoren.

=> endgültige Gliederung.

Textlinguistische Fachbegriffe

Kohärenz: innerer Zusammenhang eines Textabschnitts oder ganzen Textes.
Rekurrenz: Wiederaufnahme durch Wiederholung eines Wortes (libertas --> libertatem).
Substitution: Wiederaufnahme durch Ersetzen eines Wortes (Iupiter --> fatum).
Konnektoren: Satzperioden verbindende Wörter wie Konjunktionen (z.B. et, sed) und manche Adverbien (z.B. itaque, tum).
Proformen: verweisende Wörter wie Pronomina (z.B. is, vos) und manche Adverbien (z.B. ubi, interea).
Isotopie: bedeutungsverwandte Wörter, die ein Bedeutungsfeld (Sach-, Wort oder Lexemfeld) bilden.

(Definitionen nach: Lindauer, J. - Vester, H.; Lateinische Grammatik, München 1992, 198 - 209)

Aufgabe

Gliedern Sie den vorliegenden Text:

Text: Befreie dich selbst

Wenn der Körper durch Training zu solcher Leidensfähigkeit gebracht werden kann, dass er in gleicher Weise Faustschläge und Fußtritte nicht nur eines Menschen erträgt, dass einer, die sengende Sonne in glutheißem Sand ertragend und von eigenem Blut triefend, den Tag hinbringt - wieviel leichter könnte die Seele Kraft gewinnen, dass sie des Schicksals Schläge unbesiegbar hinnimmt, dass sie, obwohl hingestreckt, obwohl niedergetreten, sich wieder erhebt. Denn der Körper bedarf vieler Dinge, um bei Kräften zu bleiben: Die Seele wächst aus sich, selbst nährt sie sich, übt sie sich. Jene brauchen viel Nahrung, viel Getränk, viel Öl, schließlich viel Zeit: Dir wird die sittliche Vollkommenheit ohne Aufwand, ohne Kosten zuteil werden. Was immer dich gut machen kann, ist in dir. Was brauchst du, um gut zu sein? Es zu wollen. Was aber kannst du Besseres wollen, als dich der Sklaverei zu entreißen, die alle niederdrückt, die auch die Sklaven, die unter den schlechtesten Bedingungen leben und in diesem Elend geboren sind, auf jede Weise abzuschütteln versuchen? Ihr bisschen Geld, das sie mit knurrendem Magen zusammengebracht haben, zahlen sie für die Freiheit: Und du wirst nicht wünschen, was es auch koste, zur Freiheit zu kommen, der du dich in ihr geboren glaubst? Was siehst du auf deine Geldkiste? Kaufen lässt sie sich nicht. Du musst dir dieses Gut geben, von dir es fordern. Befreie dich zuerst von der Furcht vor dem Tode - er legt uns ein Joch auf -, sodann von der Furcht vor der Armut. Wenn du wissen willst, dass an ihr ganz und gar nichts Schlimmes ist, vergleiche miteinander die Gesichter der Armen und der Reichen: öfter lacht der Arme und aufrichtiger; keine Beunruhigung trifft ihn tief; auch wenn Sorgen kommen, wie eine leichte Wolke gehen sie vorüber: Die Heiterkeit derjenigen, die als glücklich gelten, ist gekünstelt; doch schwer und wie ein Geschwür unter der Oberfläche ist ihr Trübsinn, und zwar um so drückender, als es ihnen nicht gelegentlich erlaubt ist, unverhohlen unglücklich zu sein, sondern sie bei allen Sorgen, die das Herz selbst zerfressen, den Glücklichen spielen müssen.

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