Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Material M 2.4

Im Folgenden wird die unter 2.2. und 2.3 erarbeitete Vorgehensweise zur Auswertung eines Charakterprofils auf den Arachne-Text angewendet.

Diegese

hetero-diegetische Erzählung

Adressat

gebildete Bürger der augusteischen Zeit

Anlass

Vorstellung der Protagonistin Arachne

Hauptzweck

Darstellung der Hybris und Vorbereitung des Konflikts

 

Parameter

lateinische Referenz

Versangabe

Name mit Abstammung

Maeoniaeque…Arachnes“

v 5

Talent

„lanificae laudibus artis“

v 6

Abstammung

„pater Colophonius Idmon“

v 8

Abstammung

„mater occiderat, de plebe suoque aequa viro”

vv 10 f

Berühmtheit

„studio nomen memorabile“

v 12

Wohnort

„orta domo parva parvis habitabat Hypaepis”

v 13

Berühmtheit

„nymphae...“

vv15 f

Haltung

„offensa…certet mecum“

vv 24 f

 

Textsyntax:

  • zahlreiche Imperfekt- und Plusquamperfektformen (Tod der Mutter), besonders auffällig die Perfektform „adfuit“ (v 18)
  • ungewöhnlich langer Satz (vv 17 – 23)

Stilistik:

  • „Maeoniaeque … Arachnes“ (v 5) --> betontes Hyperbaton (Anfangs- und Endstellung)
  • „nomen memorabile“ (v 12) --> zentrale Stellung, ebenso „opus admirabile“ (v 14)
  • „parva parvis“ (v 13) --> Alliteration und Polyptoton
  • „deseruere… / deseruere…“ (vv 15 f) --> Anapher / Parallelismus
  • „adfuit arti“ (v 18) --> Alliteration
  • „sive rudem…seu digitis…sive levi…seu pingebat“ (vv 19 f / vv 22 f)
    --> zweifache Anapher
  • „vellera mollibat nebulas aequantia tractu“ (v 21) --> Vergleich

Ergebnisse:

  • Abstammung und Berühmtheit der Arachne werden besonders betont.
  • Der Wohnort und die niedrige Abstammung der Eltern rahmen die Berühmtheit der Weberin ein.
  • Die Nennung der trotzigen Haltung erscheint in auffälliger Endstellung.

Schlussfolgerungen [1] :

  • Durch die Betonung der niedrigen Abstammung sowie der außergewöhnlichen Berühmtheit wird der starke Kontrast dieser beiden Parameter deutlich. Das Bindeglied zwischen beiden stellt das Talent der Arachne dar. Unterstützt wird diese Sichtweise durch die unter „Stilistik“ genannten Stilmittel der Alliteration, des Polyptotons („parva parvis“, v13)  und der zentralen Stellung der Wortgruppen „nomen memorabile“ (v 12) und „opus admirabile“ (v 14).
  • Durch die Klimax ascendens wird die trotzige Haltung der Protagonistin geradezu pointiert, da sie den Auslöser des Wettstreits darstellt und so den unglücklichen Ausgang der Geschichte vorausahnen lässt.

[1] Vgl. hierzu Pöschl, 423-430.

 

Text 2: Herunterladen [doc] [123 KB]