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GFS

In­fo­box

Diese Seite ist Teil einer Ma­te­ria­li­en­samm­lung zum Bil­dungs­plan 2004: Grund­la­gen der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung. Bitte be­ach­ten Sie, dass der Bil­dungs­plan fort­ge­schrie­ben wurde.

Thema: Kön­nen die Web­tep­pi­che der Pal­las Athe­ne und Arach­ne als „mises en abyme“ ver­stan­den wer­den?

--> Er­ar­bei­ten der Glie­de­rung / In­hal­te der GFS mit dem Schü­ler / der Schü­le­rin mit An­ga­be von sons­ti­gen Hin­wei­sen zur In­ter­pre­ta­ti­on und von Li­te­ra­tur/Quel­len

Glie­de­rungs­punk­te

Hin­wei­se für den Leh­rer und/oder für den Schü­ler/die Schü­le­rin

Li­te­ra­tur/Quel­len

Was ver­steht man in der He­ral­dik unter „mise en abyme“?

He­ral­dik = Wap­pen­kun­de;
„mise en abyme“ = Wap­pen im Wap­pen

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Wie steht es mit der Ver­wen­dung die­ses Mo­tivs in Kunst und Li­te­ra­tur?

Bei­spiel aus der Kunst:
Wer­be­pla­kat des hol­län­di­schen Dros­te-Ka­kaos;

Bei­spiel aus der Li­te­ra­tur:
Kin­der­lied über einen Mops (Ver­fas­ser un­be­kannt):
„Ein Mops schlich in die Küche und stahl dem Koch ein Ei, / da nahm der Koch den Löf­fel und schlug den Mops ent­zwei. / Da kamen viele Möpse und gru­ben ihm ein Grab/ und setz­ten ihm 'nen Grab­stein, auf dem ge­schrie­ben stand: / Ein Mops schlich in die Küche und stahl dem Koch ein Ei / …“

http://​de.​wi­ki­pe­dia.​org/​w/​index.​php?​title=Datei: Dros­te.jpg&fi­le­ti­mestamp =20060919194159

Wie wird der Be­griff „mise en abyme“ li­te­ra­tur­wis­sen-schaft­lich de­fi­niert?

Zitat von Wolf:
„Die mise en abyme ist die Spie­ge­lung einer Ma­kro­struk­tur eines li­te­ra­ri­schen Tex­tes in einer Mi­kro­struk­tur in­ner­halb des­sel­ben Tex­tes. Ge­spie­gelt wer­den kön­nen Ele­men­te der fik­ti­ven his­toire , Ele­men­te der Nar­ra­ti­on, sprich Ele­men­te der Ver­mitt­lungs- und Er­zähl­si­tua­ti­on selbst, oder poe­to­lo­gi­sche Ele­men­te (all­ge­mei­ner Dis­kurs, über die Er­zähl­si­tua­ti­on hin­aus).“

[Wolf]: Wolf, Wer­ner: Äs­the­ti­sche Il­lu­si­on und Il­lu­si­ons­durch­bre­chung in der Er­zähl­kunst. Tü­bin­gen 1993.

Wie wer­den in­halt­li­che Ele­men­te der Me­ta­mor­pho­sen in den Mo­ti­ven der Web­tep­pi­che ge­spie­gelt?

Web­tep­pich der Pal­las Athe­ne:
--> Göt­ter als Be­schüt­zer und Wohl­tä­ter für den Men­schen; Be­stra­fung der Men­schen bei Auf­leh­nung und Pro­vo­ka­ti­on

--> Göt­ter als Be­schüt­zer und Wohl­tä­ter in den Me­ta­mor­pho­sen: z. B: Bac­chus bei der Ari­ad­ne-Epi­so­de (met. VIII, 176 ff.) oder Jup­pi­ter bei der Phi­le­mon und Bau­cis-Epi­so­de (met. VIII, 704 ff.)

--> Göt­ter als Be­strafer in den Me­ta­mor­pho­sen: z. B. La­to­na bei der Niobe-Epi­so­de (met. VI, 146-312)

Web­tep­pich der Arach­ne:
Göt­ter als hin­ter­lis­ti­ge und/oder skru­pel­lo­se „Sün­der“

--> Göt­ter als „Sün­der“ in den Me­ta­mor­pho­sen: z. B. Apol­lo bei der Daph­ne-Epi­so­de (met. I, 452-567) oder Jup­pi­ter bei der Eu­ro­pa-Epi­so­de (met. II, 833-875)

Fazit:
Beide Web­tep­pi­che spie­geln in­halt­lich die Kon­zep­ti­on der Me­ta­mor­pho­sen wider. Die An­häu­fung von Ver­wand­lungs­ge­schich­ten bei Arach­nes Kunst­werk er­in­nert in ihrer Bunt­heit an das ovi­di­sche Groß­werk, wobei die Dar­stel­lung der Göt­ter bei Ovid ins­ge­samt am­bi­va­lent ist. Die Dar­stel­lung der Göt­ter und der be­straf­ten Men­schen aus der Sicht der Pal­las Athe­ne ver­deut­licht die Kluft zwi­schen Göt­tern und Men­schen.

[von Al­brecht (Brü­cke)]: von Al­brecht, Mi­cha­el: Li­te­ra­tur als Brü­cke. Zü­rich 2003. (vor allem 92-95)

Wie sieht es mit der Er­zähl­ebe­ne in­ner­halb der Me­ta­mor­pho­sen und bei der Dar­stel­lung der Web­tep­pi­che aus?

Er­zähl­ebe­ne in den Me­ta­mor­pho­sen:
oft­ma­li­ge Dar­stel­lung von Si­tua­tio­nen und Per­so­nen aus der Sicht der Prot­ago­nis­ten: z. B. Dar­stel­lung Apolls in sei­ner Rede (met. I, 504-524)

--> Dra­ma­ti­sie­rung und Psy­cho­lo­gi­sie­rung der Hand­lung

Er­zähl­ebe­ne bei der Dar­stel­lung der Web­tep­pi­che:
Dar­stel­lung aus der Per­spek­ti­ve der Kon­tra­hen­tin­nen Pal­las Athe­ne und Arach­ne, wobei die Kunst­prin­zi­pi­en der Göt­tin eher klas­si­zis­tisch (geo­me­tri­sche Klar­heit des Bild­auf­baus, hie­ra­ti­sche Stren­ge der Sti­li­sie­rung) sind im Ge­gen­satz zur „mo­der­nen“, d.h. hel­le­nis­ti­schen Auf­fas­sung der Arach­ne (Be­mü­hen um Wirk­lich­keits­nä­he [dazu „verum tau­rum, freta vera puta­res“, met VI, 104])

Fazit:
Die Kon­tra­hen­tin­nen be­mü­hen sich um die Wirk­lich­keits­nä­he ihrer Mo­ti­ve (auf­fal­lend viele „Far­b­ad­jek­ti­ve“), je­doch wird bei der Dar­stel­lung des Web­tep­pichs durch Arach­ne der Leser stär­ker ein­be­zo­gen.

 

Wie spie­gelt sich die ovi­di­sche Poe­to­lo­gie in den Web­tep­pi­chen?

--> Im Klei­nen (Web­tep­pi­che) wird das re­pro­du­ziert, was im Gro­ßen (Me­ta­mor­pho­sen) dar­ge­stellt wird, d.h. in der Dar­stel­lungs­art der Web­tep­pi­che spie­gelt sich die Pro­gram­m­er­klä­rung des Dich­ters (siehe Proo­emi­um (met. I, 1-4)) wider.

--> Das Weben ist so­zu­sa­gen Chif­fre für die Text­pro­duk­ti­on des Dich­ters, d. h. Dich­ten = Weben!

 

Zu­sam­men­fas­sung

Mit der Fra­ge­stel­lung der GFS kann neben der Ein­füh­rung des aus der He­ral­dik stam­men­den Be­grif­fes „mise en abyme“ und sei­ner Be­deu­tung in der Kunst und Li­te­ra­tur ge­zielt die in­halt­li­che und „er­zähl­per­spek­ti­vi­sche“ Dar­stel­lung sowie die poe­to­lo­gi­sche Kon­zep­ti­on der Web­tep­pi­che mit dem Ge­samt­werk in einem Zu­sam­men­hang ge­bracht wer­den.

 

Texte 5 und 6: Her­un­ter­la­den [doc] [44,7 MB]